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So war das Reeperbahn Festival 2010

Von Donnerstag bis Samstag: Die Highlights! [26.09.2010]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Das Reeperbahn Festival 2010 läuft seit Donnerstag...
Foto: Katja Ruge

Intro und Festivalguide sind beim 5. Reeperbahn Festival auf dem Hamburger Kiez dabei. Unsere Eindrücke lest ihr hier.

Der Samstag: Captain Planet, Musée Mécanique, Nils Frahm, The Chap, Saboteur.


Sonntag, 01:30 Uhr, Knust: Das Konzertprogramm endet mit einem Auftritt der Lokalmatadore Captain Planet im Knust. Könnte es besser und angemessener enden? Schließlich reden wir von einer von höchstens drei besten Punkbands derzeit. Für Auswärtige ist es besonders schön, Captain Planet mal in professionell mit angemessener Anlage sehen zu können, schließlich fährt die Band außerhalb Hamburgs immer noch gerne die Juze-Tour.


Das Publikum feiert eine Party, die Kids versuchen einen kläglichen Moshpit, die Band selbst schwärmt von Frank Turners Konzert vor wenigen Minuten, und König Boris nickt die Songs aus der zweiten Reihe voller Anerkennung ab. Das Reeperbahn Festival hat gehalten, was man sich von ihm versprochen hat. Dieses Konzert ist der endgültige Beweis.

Samstag, 23:45 Uhr, Imperial Theater: Während auf der Reeperbahn der Bär steppt und das Grauen des Wochenendes seinen Lauf nimmt, tritt im angrenzenden Imperial Theater eine der derzeit besten Bands des Indie-Folk auf die Bühne: Musée Mécanique aus Portland pflegen ihr Hippie-Image zumindest optisch mit aller Macht, sind sonnig, friedlich und furchtbar nett und klingen auch genau so. Ihre Songs sind mit Glockenspielen und Orgel-Sounds mehrfach weich ausstaffiert, ihr Chorgesang ist nahezu perfekt. Ihr großartiges Album "Hold This Ghost" klingt deutlich weniger klassisch, die andere musikalische Färbung funktioniert aber mindestens ebenso gut. Sogar dem ausgelutschten "Sloop John B" können sie mit einer entzückenden Tempoversion neue Kraft abgewinnen. Das Publikum zeigt seinen Respekt davor mit ausgedehnten Ovationen.

Samstag, 22:45 Uhr, St. Pauli Kirche: Niemand darf dem Reeperbahn Festival vorwerfen, dieses Jahr stilistisch zu eintönig gebucht zu haben. Schließlich findet mit dem Auftritt des Berliners Nils Frahm sogar ein neoklassisches Piano-Konzert seinen Weg ins Line-Up. Frahm ist in den letzten Monaten auch über das Umfeld des Labels Erased Tapes und Künstler wie Peter Broderick und Ólafur Arnalds europaweit ins Gespräch gekommen, unter anderem sollen sich schon Radiohead als Fans geoutet haben. Deshalb sind viele Leute in der St. Pauli Kirche, die von klassischem Klavier ähnlich unbeleckt sind wie der Autor dieser Zeilen. Begeistert sind trotzdem alle. Speziell nach dem abschließenden Duett mit der Tourpartnerin Rachel Grimes changiert die Stimmung im Saal zwischen atemlos und ungemein wohlig und entspannt.


Samstag, 21:30 Uhr, Knust: Da schauen die zufälligen Besucher des Knust verwundert: Ihnen wurde The Chap als Band aus London angekündigt, begrüßt werden sie von der Bühne herab aber auf akzentfreiem Deutsch. Zwei Handvoll Fans in den ersten Reihen kennen sich besser aus, schließlich hören sie The Chaps wunderbares Album „Well Done Europe“ schon seit Monaten rauf und runter. Den Rest zieht das Quartett aber auch schnell in ihren Bann, denn ihr Konzert ist ein überdrehter Spaß aus Art-Pop, schmissigen Rhythmen, schrägen Tanzeinlagen und Grimassenschneiderei. Sicher einer der kreativsten und lustigsten Auftritte des ganzen Festivals, auch weil die Band sich auf's Sloganism versteht: "My generation needs another me!"


Samstag, 19:45 Uhr, Molotow: Eigentlich ist der Auftritt beim Reeperbahn Festival für Saboteur ein Heimspiel, ihnen scheint aber ein wenig unbehaglich zumute zu sein. Sänger Peter entschuldigt sich jedenfalls beinahe, dass seine Band und nicht die unbekannte, eigentlich geplante Gruppe auf der Bühne des Molotow steht. Denjenigen, die früh genug von dieser Änderung erfahren haben, macht das nichts aus – im Gegenteil. Schließlich ist Saboteurs 2008 auf Defiance Records erschienenes Album „A Place Where Painters Meet“ eines der unentdeckten Postcore-Highlights der letzten Jahre. Einen Hinweis auf ein mögliches neues Album gibt die Band an diesem Abend dennoch nicht. Sei's drum.


Auf der nächsten Seite Der späte Freitagabend: Wolf Parade, Gonzales, PVT u. v. a.

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Text: Carsten Schumacher;Peter Flore;Christian Steinbrink
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