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Zum Ende des La Pampa Festivals
Ein Nachruf [06.02.2012]
Mit dem La Pampa stirbt eins der atmosphärischsten und engagiertesten Festivals Indie-Deutschlands. Festivalguides Mathias Ehlers mit einem Nachruf.
Seit 2006 jagt mich der Festivalguide nun schon von Festival zu Festival. Sechs Jahre, die mich in die entlegensten Winkel der Republik geführt haben, mal auf von Werbern zugekleisterte Logofriedhöfe, mal auf genretypische Freakshows, mal war ich unter 80.000 Menschen, mal unter 800. Im Sommer 2008 wurde ich gefragt, ob ich zum La Pampa wolle. Ich wollte - ohne zu wissen, worauf ich mich einlasse. »Kurz vor Polen«, hieß es und was das bedeutete, war mir klar, als ich beim Pinkeln auf einen schwarz-rot-gold-lackierten Grenzpfahl blickte.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal etwas pathetischer werden, um mein Verhältnis zum La Pampa zu beschreiben: Ja, es war Liebe auf den ersten Blick. Dieser kleine, herrliche See, in dem ich die Hälfte des Festivals verbrachte und an dessen Ufer ich mein Zelt aufschlug. Das liebevolle und bis ins kleinste Detail stimmige Artwork oder der Bändchenausgeber, mit dem ich lebhaft darüber diskutieren konnte, ob die bulgarische Verteidiger-Hackfresse Trifon Ivanov beim HSV gespielt hatte oder nicht. Er war nur ein Vertreter einer hochsympathischen Crew, die sich von absolut gar nichts aus der Ruhe bringen ließ und finanzielle Defizite mit Kreativität und Enthusiasmus mehr als kompensieren konnte. Im Jahr darauf erhielt ich mein Bändchen wieder von ihm. Er konnte sich tatsächlich an mich und unsere Diskussion erinnern und gab kleinlaut zu, dass Ivanov wirklich nicht beim HSV gespielt hatte. Verdammt, ich hätte wetten sollen.
Mittlerweile hatte ich meine Kollegen angesteckt. Nachdem ich ihnen monatelang damit in den Ohren lag, dass da »kurz vor Polen« eine Festival-Perle heranwächst, wollten auch sie sich einmal wie Hippies fühlen, die Bar inmitten des Sees entern und über Trifon Ivanov diskutieren. Wie ich hatten sie eigentlich keine Chance und mussten sich verlieben in dieses Festival, das die Idee über den Kommerz stellte und sich damit an der Quadratur des Kreises versuchte. Am Ende leider vergeblich.
In drei Jahren La Pampa habe ich nicht einen aggressiven Moment erlebt, niemanden, der sein sonst sozialverträgliches Verhalten dem Alkohol opferte, keine Testosteron-Proleten im übersteigerten Paarungswahn, kein »Helga«, keine Ballermänner. Stattdessen Festivalguide-Mitarbeiter, die sich ihrer Shirts entledigen und ihre haarigen, untrainierten Leiber zu den Takten Who Made Whos bewegten. Doch die Dänen waren professionell genug, diesen widerlichen Anblick zu ignorieren oder einfach nur genauso glücklich wie wir, in diesem Moment an diesem Ort zu sein. Niemand ahnte damals, dass dies unser letzter La Pampa-Tanz sein würde.
Text: Mathias Ehlers

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